Lehis Traum
Es wird sowohl von Lehi, als auch von Joseph Smiths Vater berichtet, dass beide viele Träume hatten. Lucy Smith, Josephs Mutter, erzählt von einigen Träumen ihres Mannes in ihrem Buch Biographical Sketches´of Joseph Smith the Prophet and his Progenitors for many Generations (1853).

Einer der Träume stammt aus dem Jahre 1811. Josephs Mutter schrieb:
„ 1811 zogen wir um ... nach Lebanon, New Hempshire. Kurz nach unserer Ankunft erhielt mein Mann eine weitere, ungewöhnliche Vision, die ich erzählen möchte: “ S.58
Liest man diesen Traum, so stellt man unweigerlich Parallelen zu Lehis Traum aus dem Buch Mormon fest ( 1. Nephi 8 ).
  • Sowohl Lehi als auch Josephs Vater reisten:
    „Und nachdem ich viele Stunden im Finstern gewandert war...“ 8:8
    „Ich meinte', sagte er, 'dass ich wandern würde...“ S.58
  • Beide erwähnen ein Feld:
    „...ich sah in meinem Traum eine finstere und trostlose Wildnis... nachdem ich zum Herrn gebetet hatte, erblickte ich ein großes und weites Feld.“ 8:4,9
    „... ich wanderte in einem weiten und verwüsteten Feld, welches sehr unfruchtbar erschien.“ S.58
  • Beide Träume vergleichen das Feld mit der Welt:
    „...er führte auch am Ursprung vorbei zu einem Feld, so groß und weit, als sei es eine Welt.“ 8:20
    „...ein weites und verwüstetes Feld,...mein Führer...sagte,' dies ist die verwüstete Welt'...“ S.58
  • Beide haben einen Führer:
    „...Ich sah einen Mann...er sprach zu mir und hieß mich ihm folgen. “ 8:5-6
    „Mein Führer, der an meiner Seite war,...“ S.58
  • Beide erwähnen eine breite Straße oder Straßen:
    „Und die finsteren Nebel sind die Versuchungen des Teufels...und sie auf die breiten Straßen wegführt... “ 12:17
    „Die Straße war so breit und unfruchtbar...'. Breit ist die Straße und weit das Tor....“. S.58
  • Beide erwähnen einen engen Pfad:
    „Ich erblickte auch einen engen und schmalen Pfad...“. 8:20
    „Nachdem ich eine kurze Strecke weiter gewandert war, kam ich zu einem engen Pfad, den ich einschlug...“ S.58
  • Beide erwähnen einen Wasserlauf:
    „...da gewahrte ich einen Wasserlauf...“ 8:13
    „...ich gewahrte einen wunderschönen Wasserlauf...“ S.58
  • Beide erwähnen etwas, dass sich entlang des Wasserlaufs ausstreckt:
    „Und ich erblickte eine eiserne Stange, und sie lief dem Ufer des Flusses entlang...“ 8:19
    „...und soweit wie meine Augen sehen konnten, sah ich ein Seil, dass an seinem Ufer entlang lief...“ S.58
  • Beide erwähnen einen Traum:
    „Und es begab sich: Ich erblickte einen Baum,...“ 8:10
    „... einen Baum, so wie ich noch nie einen zuvor gesehen hatte.“ S.58
  • Beide erwähnen die Schönheit des Baumes:
    „Der Geist sprach zu mir: Schau! Und ich schaute und sah einen Baum; und er war wie der Baum, den mein Vater gesehen hatte; er ging bei weitem über alles Schöne hinaus, ja, er übertraf alle Schönheit...“ 11:8
    „Er war außergewöhnlich schön, so sehr, dass ich mit Bewunderung und Erstaunen auf ihn sah.“ S.58
  • Beide Bäume trugen Früchte:
    „...dessen Frucht begehrenswert war...“ 8:10
    „...er trug eine Art Frucht...“ S.58
  • Beide vergleichen das Weiß des Baumes mit Schnee:
    „...und er war weißer als frisch gefallener Schnee.“ 11:8
    „... so weiß wie Schnee, oder sogar noch weißer...“ S.58
  • Beide aßen von der Frucht:
    „Ich ging hin und aß von der Frucht...“ 8:11
    „Ich näherte mich und began davon zu essen...“ S.58
  • Beide fanden die Frucht köstlich:
    „...und ich fand, dass sie sehr süß war, süßer als alles....“ 8:11
    „...und ich fand sie köstlich, ohne Beschreibung...“ S.58
  • Beide wollten, dass ihre Familien davon kosten:
    „...darum regte sich in mir der Wunsch, auch meine Familie möge davon essen...“ 8:12
    „Und als ich aß, sagte ich in meinem Herzen,' Ich kann dies nicht alleine essen, ich muß meine Frau und meine Kinder holen, damit diese mit mir essen'.“ S.58
  • Beide Familien kamen und aßen von der Frucht:
    „Sie kamen zu mir her und aßen auch von der Frucht.“ 8:16
    „...ich ging und holte meine Familie...und wir alle begannen zu essen...“ S.58
  • Nachdem sie gegessen hatten, erfuhren alle große Freude:
    „Und als ich von der Frucht aß, wurde meine Seele von überaus großer Freude erfüllt;...“ 8:12
    „Wir waren außerordentlich glücklich, so sehr, dass unsere Freude nicht leicht zu erklären war.“ S.59
  • Beide erwähnen ein geräumiges Gebäude:
    „Auch ich blickte ringsum und sah auf der anderen Seite des Wasserlaufs ein großes und geräumiges Gebäude...“ 8:26
    „...ich sah ein geräumiges Gebäude, welches auf der anderen Seite des Tales stand...“ S.59
  • Beide Gebäude waren mit Menschen gefüllt:
    „Und es war voll von Menschen...“ 8:27
    „Und es war voll von Türen und Fenstern und sie waren alle mit Menschen gefüllt...“ S.59
  • In beiden Gebäuden waren die Menschen fein gekleidet:
    „...und sie waren auf das feinste gekleidet...“ 8:27
    „...die sehr fein gekleidet waren...“ S.59
  • In beiden Fällen deuteten die Menschen mit Fingern der Verachtung auf diejenigen, die von der Frucht aßen:
    „Nachdem sie in das Gebäude eingetreten waren, deuteten sie mit dem Finger der Verachtung auf mich und diejenigen, die ebenfalls von der Frucht aßen ;...“ 8:33
    „Als diese Leute uns gesehen hatten...unter dem Baum, deuteten sie mit dem Finger der Verachtung auf uns....!“ S.59
  • Beide erwähnen, dass sie die Menschen ignorierten:
    „...aber wir beachteten sie nicht.“ 8:33
    „Aber wir missachteten deren Frechheit...“ S.59
  • Beide erwähnen, dass die Bedeutung der Frucht, die reine Liebe Gottes ist:
    „Ja, das ist die Liebe Gottes, die sich überall den Menschenkindern ins Herz ergießt;...“ 11:22
    „Er sagte mir, dass es die reine Liebe Gottes sei...“ S.59
  • Beide erwähnen, dass zwei Familienmitglieder nicht anwesend sind:
    „Ich hatte den Wunsch, dass auch Laman und Lemuel kämen und von der Frucht äßen...“ 8:17
    „...siehe da, du hast zwei mehr und du musst auch diese holen...“ S.59
  • Beide erwähnen den Fall des Gebäudes:
    „Ich sah und gebe Zeugnis, dass das große und geräumige Gebäude der Stolz der Welt war; und es stürtze ein...“ 11:36
    „...ich fragte meinen Führer, was die Bedeutung des geräumigen Gebäudes war , das ich sah. Er antwortete:' Es ist Babylon, es ist Babylon und es muß fallen'.“ S.59
  • Beide erwähnen den Stolz, der in Verbindung mit dem Gebäude stand:
    „Ich sah und gebe Zeugnis, dass das große und geräumige Gebäude der Stolz der Welt war...“ 11:36 „Die Menschen in den Türen und Fenstern sind deren Bewohner, die die Heiligen Gottes verachten und verabscheuen, wegen deren Demut.“ S.59
Die Ähnlichkeiten der beiden Träume sind nicht von der Hand zu weisen und es scheint, als ob der Traum Lehis eine veränderte Version des Traumes von Josephs Vater ist, den er 1811 hatte. Apologeten der Kirche sehen zwar auch eine Verbindung zwischen den Träumen, suchen aber nach einer Erklärung. Wells Jakeman beispielsweise, geht davon aus, dass sich Mutter Lucy in der Datierung des Traumes getäuscht haben muss und sieht somit die Quelle für den Traum des Vaters in Lehis Traum.

Dr. Christensen von der BYU sieht die Möglichkeit, dass Gott verschiedenen Menschen eine Baum-des-Lebens-Vision geben kann. 1 Interessant ist gerade bei dieser Geschichte, dass man durchaus noch mehr Parallelen aus Lehis Traum und seiner Familie, sowie den ersten Kapiteln des Buches Mormon entnehmen kann. Nephis Vater hatte Träume und so auch Josephs. Nephi hatte fünf Brüder, zwei ältere und drei jüngere ( Laman, Lemuel - Sam, Jakob, Josef ) und so auch Joseph ( Alvin, Hyrum - Samuel, William, Don Carlos ). Ist es möglich, dass Joseph Smith seine eigene Familiensituation in das Buch Mormon hineinprojizierte? Sah er sich selbst als den Helden Nephi und sollte sein Vater Lehi sein? Vieles deutet darauf hin.

Fußnoten 1Dr. Christensen, The Society For Early Historic Archeology, BYU, Newsletter Nr.104,S.9