Der Tempel Nephis


Ein Tempel der Maya

Wie bereits beim Thema Metallurgie angesprochen, ist unklar, wie eine Handvoll Leute gleichzeitig komplizierte Metallverarbeitung, Bergbau, Nahrungsbeschaffung und Gebäudebau betreiben konnte. Zur Erinnerung:

Etwa zwölf Jahre, nachdem Lehi und seine Familie in der Neuen Welt gelandet war, trennten diese sich von den schlechten Brüdern Nephis und begannen sich zu einer metallbearbeitenden Kultur zu entwickeln. Diese Gruppe umfasste Nephi und seine Familie, Zoram und seine Familie, Sam und seine Familie, die Kinder Jakob und Josef, Nephis Schwestern und andere, die namentlich nicht erwähnt wurden, wahrscheinlich aus Ischmaels Familie. Das würden ungefähr acht Männer, 15 Kinder und zehn Frauen ergeben. Vielleicht ein paar mehr aber in den wenigen Jahren können es nur wenige mehr gewesen sein. Diese Gruppe nun baute einen Tempel nach dem Vorbild des salomonischen Tempels.

„ Und ich , Nephi, baute einen Tempel; und ich errichtete ihn ganz nach dem Muster des Tempels Salomos, außer dass er nicht aus so vielen Kostbarkeiten erbaut war; den diese waren in dem Land nicht zu finden... " 1


Hier ein Modell des salomonischen Tempels

Apologeten verweisen immer wieder darauf, dass dies deshalb möglich gewesen sei, weil Nephi den Tempel nicht mit so vielen Kostbarkeiten erbaut hat, da diese nicht vorhanden waren. Wir finden hierzu im Buch Mormon gleich einen Widerspruch. Wenn es tatsächlich diese Kostbarkeiten nicht gegeben hat, warum sagt Nephi dann einen Vers zuvor, dass diese überreichlich vorhanden waren?

„ Und ich lehrte mein Volk Gebäude zu errichten und allerart Holz zu bearbeiten, ebenso Eisen und Kupfer und Messing und Stahl und Gold und Silber und kostbares Erz, die alle überreichlich vorhanden waren. " 2

Gehen wir aber etwas mehr auf das Thema ein. Zunächst sollten wir uns einmal vor Augen führen, welch immenser Aufwand hinter dem Bau des salomonischen Tempel stand. Der Tempel hatte eine Größe von 31,5 x 10,5 x 15,75 m. Das gesamte Gebäude war mit den Anbauten vermutlich 52m lang und 27m breit. Die Mauern wurden in Naturstein aufgeführt und innen mit Zedernholz getäfelt. Der Fußboden war größtenteils aus Zypressenholz. Wände, Türen und Pforten waren mit Schnitzereien verziert und im Allerheiligsten war der Fußboden mit Gold überzogen. Dazu kamen noch Edelsteine. Die Gesamtbauzeit betrug 7 Jahre mit der Hilfe von 180.000 Mann. Diese bestanden aus 30.000 Fronpflichtigen, 70.000 Lastträger und 80.000 Steinhauer. 3

Selbst wenn wir die Kostbarkeiten einmal außer Acht lassen, so wird klar, dass eine Kolonie mit weniger als 10 Männern, die gleichzeitig Nahrung beschaffen müssen, andere Gebäude bauen und metallurgisch tätig sind, niemals einen Tempel nach dem Vorbild Salomos bauen können. Selbst wenn es 50 Männer gewesen wären. Allein um die Steine zu bearbeiten, waren 80.000 Steinhauer! im Einsatz, was nur den mauertechnischen Bereich angehen würde, den Nephi laut des Berichts auf jeden Fall vollzog.

Vergleichen wir nun noch ein Bauwerk aus der Neuen Welt dazu. Die gewaltigen Mauern der Inka-Festung Sacsayhuaman (Cuzco) wurden ca. 1450 n. Chr. erbaut. Diese Mauern bestehen aus Steinblöcken, die nahtlos ineinander gefasst wurden. 30.000 Arbeiter sollen 8 Jahre daran gebaut haben. 4


Die Mauern von Cuzco wurden ohne Metall bearbeitet

Genauere Betrachtungen des nephitischen Tempelbaus erscheinen daher fern von jeder Realität. Obwohl diese Tatsachen für einen vernünftig denkenden Menschen eindeutig erscheinen, reagieren Mitglieder ganz anders ( was nicht heißen soll, dass Mitglieder nicht vernünftig denken könnten!). Als ich vor kurzem einem Mitglied diese Sachlage erklärte bekam ich als Antwort, dass die Nephiten große, kräftige Männer gewesen sind mit vielen Muskeln (eben so, wie in manchen älteren Ausgaben des BM dargestellt) und dass sie dadurch auch mit wenigen Männern in der Lage gewesen sind, so etwas zu bauen. Außerdem würden ja bei dem Bau eines Gemeindehauses auch nicht so viele Arbeiter gebraucht werden.

Was soll man hierauf noch antworten? Da solche Antworten kein Einzelfall sind habe ich mir das erste Mal die Frage gestellt, wie viele der Mitglieder, die so etwas lesen, überhaupt ein Verständnis für die Problematik entwickeln können. Um zu hinterfragen wie es zu solchen Aussagen kommen kann, habe ich dem ganzen ein eigenes Unterkapitel gewidmet.

Ich will die Diskussion an dieser Stelle nicht auf eine banale Ebene herunterbrechen. Darum nur meine Aufforderung: Wer glaubt, man könne mit ein paar Mann ein Gebäude wie den Tempel Salomos bauen, der tut gut daran sich mit einem Hammer zu bewaffnen, um aus eigener Kraft in einem Steinbruch ( den er selbst vorher freilegen sollte ) einen Kubikmeter Stein herauszuschlagen, den er dann bearbeitet, bis dieser komplett symmetrisch ist. Die Erkenntnis kommt dann von selbst.


Fußnoten

1 Buch Mormon, 2. Nephi 5:16

2 Buch Mormon, 2. Nephi 5:15

3 Die Bibel, 1 Könige 5:26-32

4 Welt Geschichte, Von der Urzeit bis zur Gegenwart, S.375. Karl Müller Verlag.